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Linearperspektive (*)

Material für den Kunstunterricht
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Die Linearperspektive wird hier in vier Schritten geklärt:

  1. Der Eindruck von Räumlichkeit
  2. Die Perspektive beim Blick geradeaus, die Dinge stehen unverkantet (frontal) vor mir: ein Fluchtpunkt
  3. Die Perspektive beim Blick geradeaus, die Dinge stehen schräg vor mir: zwei Fluchtpunkte
  4. Die Perspektive beim Blick von oben: drei Fluchtpunkte
  5. kurz: Schatten
2. Die Perspektive beim Blick geradeaus, die Dinge stehen schräg vor mir: zwei Fluchtpunkte

SchrägsichtDass die Dinge exakt frontal zu mir stehen, ist eher ein Sonderfall. Meist steht das Zeug ja kreuz und quer in der Welt herum, etwa so, wie hier abgebildet. Es ist sofort zu sehen, dass wir es jetzt nicht mehr mit einem Fluchtpunkt, schön in der Mitte, sondern mit zwei Fluchtpunkten an den Rändern des Gesichtskreises zu tun haben. Hinweis: Das Foto entstand mit einer kleinen Handy-Kamera mit schlechter Optik, daher ist die Ausrichtung nicht ganz korrekt oder an den Seiten verzerrt. Eigentlich müssten beim Blick geradeaus beide Fluchtpunkte auf gleicher Höhe liegen.

zwei Fluchtpunkte, Schritt 1
zwei Fluchtpunkte, Schritt 2
zwei Fluchtpunkte, Schritt 3

Dennoch wird die Konstruktion ab jetzt einfacher:

Wir sollten uns noch einmal daran erinnern, dass der Gesichtskreis so etwas wie das Display einer Kamera ist. Ich stehe davor, also ist mein Standpunkt genau an der Basis dieses Gesichtskreises - oder anders: senkrecht unter der Mitte am unteren Rand des Gesichtskreises. Dort verläuft die Basislinie. Alles, was genau quer zu meinem Blick verläuft, wird bekanntlich perspektivisch nicht verzerrt (siehe Merksatz 1). Das sind die Linien parallel zum Horizont und zur Basislinie (siehe z.B. die Papierflieger im 1.Kapitel).

  1. Nun drehen sich die Dinge, z.B. um x°. Also bekommen die ehemals waagerechten Linien einen Fluchtpunkt irgendwo weit draußen und einen zweiten Fluchtpunkt, der nicht mehr im Zentrum meines Gesichtskreises liegt. Anders gesagt: Meine Basislinie verläuft nicht mehr genau quer = 90° zu meiner Blickrichtung, sondern gedreht, also zeichnerisch angehoben, um x° (siehe Schritt 1). Die beiden Fluchtpunkte liegen übrigens immer noch auf der Horizontlinie, denn ich schaue immer noch geradeaus (nicht nach oben oder unten). Wo genau liegen die beiden Fluchtpunkte? Da, wo ein um x° gedrehter 90°-Winkel (Geo-Dreieck oder Buch) von der Basisline unter dem Zentrum aus die Horizontlinie trifft. - Der Rest ist Standard.
  2. Genau auf halbem Winkel dazwischen liegt wieder der Orientierungspunkt O für die Diagonalen (siehe Schritt 2). Den Punkt O brauche ich, wie bekannt, für die Festlegung der Seiten eines Quadrats.
  3. Eine senkrechte Strecke des Objektes festlegen.
  4. Der Rest ist schnell erledigt (Grafik Schritt 3): Vom oberen Ende der Senkrechten, Punkt E, geht es hinab zu den beiden Fluchtpunkten F1 und F2, damit sind die perspektivisch verzerrten Höhen im Hintergrund definiert.

Vielleicht noch schnell der vierte Merksatz:
Beim Blick auf schräg zu mir stehende Objekte ergeben sich zwei Fluchtpunkte für alle Linien, die von mir weg führen; die Fluchtpunkte für rechteckige Objekte ergeben sich aus der Drehung eines 90°-Schenkels an der Basislinie; senkrechte Linien bleiben senkrecht.

 


© Michael Kraus, 2000 bis 2010

Diese Darstellung folgt
in den Kapiteln 1 bis 3 Willi Bärtschi: Linearperspektive I, Ravensburg 1979, 2. Auflage.
Das Buch hat mir Kollegin KNC freundlicherweise ausgeliehen; danke.
Das Kapitel 4 (Schatten) lehnt sich an Rudolf Schmidt, Perspektive Schritt für Schritt, Augsburg 1995, an.
Der gesamte Text ist in allen Teilen Eigenarbeit, die Graphiken auch, wenn nicht namentlich anders gekennzeichnet.

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