Material für den Pädagogikunterricht
Klausuren - Der erste Satz
Vor den ersten Satz gehören: Name, Jahrgangsstufe, Kurs, Fach, Klausurnummer, auf den Rand das Datum.
Lose Blätter sind zu heften (ein Eselsohr reicht nicht) und zu nummerieren. Die Klausur erhält außen einen Klausurrand, der (bei mir) mindestens 5 cm breit ist, die Blätter sind liniert und bitte nicht zerfranst. Bei Blättern, die mit Metallblechen geheftet werden, muss innen einen Bundsteg freigelassen werden, denn dort kann man bei den so gehefteten Blättern dann nichts mehr lesen.
Klausuren sind Dokumente, um die mitunter auch ein Rechtsstreit geführt wird. Oder anders: Die ordnungsgemäße Form der Arbeit ist Teil der Leistung.
Erfahrungsgemäß macht der erste Satz einer Klausur Schwierigkeiten, obwohl es sich da doch um eine Standardsituation handelt, wo Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Thema genannt werden - fertig. Sollte dies einen Bandwurmsatz ergeben, teilt man ihn eben in zwei oder drei Sätze auf.
Die hier vorgelegte Übersicht ist exemplarisch gemeint. Der Text, auf den sich die Sätze beziehen, kann hier eingesehen werden.
Tipp: Die rechte Seite abdecken und die Mängel selbst entdecken und korrigieren.
| Original | Kritik, Verbesserungsvorschläge |
| 1.) Der Text "Entwicklung und Sozialisation", der im Jahr 1977 verfasst wurde, von Rolf Oerter handelt von einem Individuum, das von einem Sozialisator erzogen wird. | Der Autor wird hier in einem Satzteil nach dem Prädikat nachgeholt, was grammatisch falsch ist und auch nicht durch die Kommasetzung repariert wird. Der Text handelt auch nicht von "einem" (bestimmten?) Individuum. Vorschlag: Rolf Oerter schrieb 1977 über "Entwicklung und Sozialisation" und erläutert in diesem Text, dass Sozialisation eine Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft darstellt. |
| 2.) Der Text "Entwicklung und Sozialisation", von Rolf Oerter, beschäftigt sich mit... | Adverbiale Bestimmungen, Objekte und präpositionale Attribute werden nie durch Komma abgetrennt! Appositionen allerdings schon. Titel gelten allerdings nicht als Apposition. Vorschlag: Rolf Oerter beschäftigt sich in seinem Text von 1977 "Entwicklung und Sozialisation" mit... |
| 3.) Der Text "Entwicklung und Sozialisation von Rolf Oerter handelt von der Dyade zwischen der Mutter und ihrem Kind und derem Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes. | Zunächst wird natürlich der Titel mit Anführungsstrichen geschlossen. Sodann ist diese "Dyade" - und was das nun ist, sollte man gleich erklären oder diesen Fachbegriff im ersten Satz weglassen - in Oerters Text ein Beispiel für das, was er insgesamt hier mitteilt: Sozialisation als Wechselwirkungsprozess zwischen Individuum und Gesellschaft. Besser ist es, bei "Mutter" und "Kind" den Artikel ganz wegzulassen, um zu signalisieren, dass hier keine bestimmte Mutter gemeint ist. Die Genitivform (wessen Auswirkung?) "derem" gibt es gar nicht, sie müsste "deren" heißen ("dessen" und "deren" sind unveränderlich). |
| 4.) In dem Text "Entwicklung und Sozialisation" geht es um die Entwicklung und Sozialisation, wie die Überschrift sagt. Oerter erklärt... | Der erste Satz ist tautologisch und der Autor gehört nicht erst in den zweiten Satz. Vorschlag: Rolf Oerter schrieb 1977 über "Entwicklung und Sozialisation"; er erläutert in diesem Text, dass Sozialisation als Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft zu verstehen sei. |
| 5.) Oerters Hauptaussage des Textes soll uns mitteilen, dass... | Was ist denn die Hauptaussage? Eine Formulierung dieses Typs gehört eher an den Schluss, nachdem die "Aussagen" aufgeführt wurden und man die (verborgene?) Absicht der Autors aufgedeckt hat. Allerdings passt ein Ausdruck wie "soll uns sagen" eher ins Umfeld von Bibelauslegungen. |
| 6.) Der Text sagt, dass praktisch der Sozialisationsprozess kein Einweg ist, das heißt das das Kind sich nicht nur den Normen der Gesellschaft einfach anzupassen hat. | Wieso "praktisch"? Dieses Wort ergibt keine Entschuldigung bei Formulierungsunsicherheiten (ebenso wenig übrigens wie Anführungsstriche). Das Wort "Einweg" gibt es nicht, die Metapher "Einbahnstraße" würde hier nicht viel helfen, weil sie ja auch erst einmal aufgelöst werden müsste. Die sehr häufige Konjunktion "dass" leitet Sätze des Sagens und Meinens ein, die immer mit Komma abgetrennt werden - und sie ist etwas ganz anderes als das Relativpronomen "das". Vorschlag: Rolf Oerter schrieb 1977 über "Entwicklung und Sozialisation"; er erläutert in diesem Text, dass Sozialisation als Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft zu verstehen sei. |
| 7.) Rolf Oerter beschreibt in seinem Text den Vorgang der Entwicklung eines Kindes zu einem Menschen... | Ist das Kind zunächst ein Tier? |
| 8.) In Oerters Text, Entwicklung und Sozialisation, beschreibt er das Hineinwachsen eines Kindes in eine Gesellschaft und deren bestimmten Vorgänge, wodurch sich das Individuum entwickelt. | Der Titel gehört in Anführungsstriche, man zitiert ihn ja. Hier ist das Subjekt "er", ohne dass dies grammatisch bestimmt worden wäre. Also macht man besser den Autor zum Subjekt und korrigiert dabei auch gleich die Kommasetzung. Was mit "und deren (Genus?) bestimmten (Kasus?) Vorgänge, wodurch sich das Individuum entwickelt" gemeint ist, weiß wohl niemand, es ist auch grammatisch völlig verunglückt. Selbst wenn es korrigiert hieße: "und dessen bestimmte Vorgänge, wodurch sich das Individuum entwickelt", wäre nichts gesagt, was mit "Hineinwachsen von Kindern in die/ihre Gesellschaft" nicht schon gesagt worden wäre.. Vorschlag: Rolf Oerter beschreibt 1977 in seinem Text "Entwicklung und Sozialisation" das Hineinwachsen von Kindern ("eines Kindes" hört sich so an, als wäre dies ein Roman: "eines bestimmten Kindes") in die Gesellschaft als Wechselwirkungsprozess. |
| 9.) Der Text "Entwicklung und Sozialisation" aus dem Jahre 1977 von Rolf Oerter lässt sich in drei Teile gliedern. Hauptsächlich beschäftigt sich Oerter in seinem Text mit dem Sozialisierungsprozess und geht dabei auf die Positionen von Sozialisand und Sozialisator ein. | Bevor ich gliedere, sollte ich sagen, um was es insgesamt geht und wer der Autor ist. Vorschlag: In Rolf Oerters Text "Entwicklung und Sozialisation" von 1977 geht es um den Sozialisierungsprozess und speziell um die Rollen von Sozialisand und Sozialisator. Was Oerter unter diesen beiden Fachbegriffen versteht, erläutere ich im Folgenden/weiter unten. Der Text lässt sich in drei Teile gliedern... |
| 10.) Der Text "Entwicklung und Sozialisation geschrieben von Rolf Oerter und veröffentlicht 1977 beschreibt den Sozialisationsprozess und seine Merkmale. | Lange Partizipialgruppen wie diese hier sollte man besser in Komma einschließen (und das schließende Anführungszeichen beim Titel nicht vergessen): Der Text "Entwicklung und Sozialisation", geschrieben von Rolf Oerter und veröffentlicht 1977, beschreibt den Sozialisationsprozess und seine Merkmale. |
Zusammenstellung: Michael Kraus, Dezember 2007