Material für den Pädagogikunterricht
Bilder nur zu schulischen Zwecken!
Erziehung im Nationalsozialismus
Das Schöne im Pädagogikunterricht zu diesem Thema ist, dass es da einmal nicht zehn Theorien gibt - sondern genau genommen gar keine. Statt dessen gibt es einiges Material und ansonsten Erklärungen, die z.B. Heitmeyer oder Bandura oder Erikson in eigentlich ganz anderen Zusammenhängen geschrieben haben; macht aber nichts.
Auf dieser Seite wird auch keine Theorie zur Erziehung im Nationalsozialismus geboten, sondern es werden Informationen, Zitate und Argumente zu diesem Thema gebracht - ja und eine Begriffklärung zum Thema Rassismus gibt's dann doch noch.
Hitler?
"Er wollte, dass es den Deutschen besser ging." So die Erklärung eines Schülers nach zwölfeinhalb Jahren Schule. Kein Mitschüler widerspricht oder lacht.
Und was hatte er gegen die Juden? "Die nahmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg." Hat man angeblich im SoWi-Unterricht gelernt.
Was man auch immer wieder hört: "Hitler war verrückt" oder von den Großeltern: "Der Hitler hat uns belogen."
- Das alles ist großer Unsinn im harmlosen Fall oder eine böse Verharmlosung oder schlicht Lüge.
- Wie kann ein Wohltäter sechs Millionen Menschen als Staatsprogramm umbringen lassen, in einem Weltkrieg den Untergang des ganzen Landes samt Inventar und Menschen riskieren (er hat es ja auch so ziemlich geschafft) und in diesem Krieg am Schluss Vierzehnjährige an die Front schicken?
- Und wie können Menschen, Juden nämlich, Arbeitsplätze an sich reißen, wenn sie angeblich nur Schmarotzer sind?
- Und was war eigentlich mit den Deutschen los, wenn sie einem Politiker zujubelten und ihn zum Kanzler wählten, der doch angeblich verrückt war? Die NSDAP unterhielt ein eigenes Propagandaministerium, hatte eine Zeitung mit Millionenauflage ("Völkischer Beobachter"), in dem kein Blatt vor den Mund genommen wurde, jedes Brautpaar bekam Hitlers programmatisches Buch "Mein Kampf", ab 1939 war die Mitgliedschaft in der HJ Pflicht, der rhetorischen Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?" schallte ein tausendfaches "Ja!" entgegen, die Vertreibung und Ermordung aller als "nicht arisch" angesehenen Menschen war offene Politik, da wurde gar nichts verheimlicht.
Sein Kampf
Es folgt eine Kritik am Rassismus, aufgezogen an Auszügen aus Hitlers "Mein Kampf". Er schrieb das Buch in den 20er Jahren und die Zitate stammen aus der einhundertfünfzigsten Auflage von 1935. So einen Bestseller haben nicht allzu viele Autoren hinbekommen: mehr als zehn Auflagen pro Jahr! Das Buch besteht im ersten Teil aus einer "Abrechnung", wie es heißt, also einer Art Kritik am "Zusammenbruch", nämlich der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg; der zweite Teil handelt dann von der "Bewegung", nämlich der NSDAP, wie Hitler sie in den 20er Jahren plant, um einen "völkischen Staat" - zu diesem Ausdruck am Ende von Punkt 3 ein kurzer Hinweis - zu schaffen. Wenn es im Buch also immer wieder "dereinst" heißt, so ist das 1935 schon wahrgemachte Politik.
Üblich ist bei diesem Thema oft nur die Demonstration von Abscheu ohne Argumente: "Rassenwahn". Aber die Dummheit von Hitlers Gedanken zeigt sich auch logisch. Ja, Hitlers Rassismus ist eine Gemeinheit und Brutalität, aber es auch ein grandioser logischer Unsinn.
Zitate sind hellblau unterlegt, meine Zusätze oder Kürzungen in den Zitaten stehen in eckigen Klammern; zum Druck siehe "drucken?".
- "Schon die oberflächlichste Betrachtung zeigt als nahezu ehernes Grundgesetz all der unzähligen Ausdrucksformen des Lebenswillens der Natur ihre in sich begrenzte Form der Fortpflanzung und Vermehrung. Jedes Tier paart sich nur mit einem Genossen der gleichen Art. Meise geht zu Meise, Fink zu Fink, der Storch zur Störchin, Feldmaus zu Feldmaus, Hausmaus zu Hausmaus, der Wolf zur Wölfin usw. [...] Das ist nur zu natürlich. Jede Kreuzung zweier nicht ganz gleich hoher Wesen gibt als Produkt ein Mittelding zwischen der Höhe der beiden Eltern. Das heißt also: das Junge wird wohl höher stehen als die rassisch niedigere Hälfte des Elternpaares, allein nicht so hoch wie die höhere. Folglich wird es im Kampf gegen diese höhere später unterliegen. Solche Paarung widerspricht aber dem Willen der Natur zur Höherzüchtung des Lebens überhaupt. Die Voraussetzung hierzu liegt nicht im Verbinden von Höher- und Minderwertigem, sondern im restlosen Siege des ersteren. Der Stärkere hat zu herrschen und sich nicht mit dem Schwächeren zu verschmelzen, um so die eigene Größe zu opfern. Nur der geborene Schwächling kann dies als grausam empfinden". (S. 311 f.)
Natürlich paaren sich nicht Hund und Katze, aber sehr wohl Dogge mit Schäferhund - und Mensch mit Mensch. Kreuzungen ergeben durchaus nicht immer schwächere Produkte, Landwirtschaft und Viehzucht beweisen es. Hitlers falscher Schluss aus seiner ersten falschen Behauptung lautet dann, dass in der Natur immer nur "Kampf" herrsche, dass die Natur gar einen "Willen" habe. Aber die Natur hat keinen Willen, denn sie ist kein Subjekt. Der Löwe bekämpft nicht die Gazelle, er frisst sie und wenn er satt ist, schaut er ihr sehr schläfrig zu. Wenn tatsächlich immer nur "der Stärkere herrschen" würde, dann müsste die Welt voll sein von Nashörnern und Tigern, dagegen wären Hasen und Fliegen schon längst verschwunden. Hier spricht also kein Biologe! Hitler hat nicht Darwin studiert. Denn in Darwins berühmter Formulierung vom "survival of the fittest" ist weder von Kampf noch vom Stärkeren die Rede. Hitlers Perspektive, besser: sein Interesse steht vorab fest, wie sich im fließenden Übergang von seinem Meisen-Geschwätz zu "der Stärkere..." zeigt. Hitler bebildert also seinen vorab feststehenden Rassismus mit falschen Ansichten über die Natur. - Wer sich so etwas einleuchten ließ, tat das nicht aufgrund dieser falschen Ausflüge in die Biologie, sondern weil eben viele Deutschen Hitlers Rassismus teilten: Ja, wir haben die Niederlage des 1. Weltkrieges nicht verdient, uns steht mehr zu, denn wir sind recht eigentlich die Stärksten, eben "Herrenmenschen", siehe die Hausmaus...
- "Die geschichtliche Erfahrung bietet hierfür zahllose Belege. Sie zeigt in erschreckender Deutlichkeit, dass bei jeder Blutsvermengung des Ariers mit niedrigeren Völkern als Ergebnis das Ende des Kulturträgers herauskam. Nordamerika, dessen Bevölkerung zum weitaus größten Teile aus germanischen Elementen besteht, die sich nur sehr wenig mit niedrigeren farbigen Völkern vermischten, zeigt eine andere Menschheit und Kultur als Zentral- und Südamerika, in dem die hauptsächlich romanischen Einwanderer sich in manchmal großem Umfange mit den Ureinwohnern vermengt hatten. An diesem einen Beispiele schon vermag man die Wirkung der Rassenvermischung klar und deutlich zu erkennen. Der rassisch rein und unvermischt gebliebene Germane des amerikanischen Kontinents ist zum Herrn desselben aufgestiegen; er wird der Herr solange bleiben, solange nicht auch er der Blutschande zum Opfer fällt." (S. 313 f.) "So war für die Bildung höherer Kulturen das Vorhandensein niederer Menschen eine der wesentlichsten Voraussetzungen, indem nur sie den Mangel technischer Hilfsmittel, ohne die aber eine höhere Entwicklung gar nicht denkbar ist, zu ersetzen vermochte. Sicher fußte die erste Kultur der Menschheit weniger auf dem gezähmten Tier, als vielmehr auf der Verwendung niederer Menschen. Erst nach der Versklavung unterworfener Rassen begann das gleiche Schicksal auch Tiere zu treffen und nicht umgekehrt [...] Es ist also kein Zufall, dass die ersten Kulturen dort entstanden, wo der Arier im Zusammentreffen mit niederen Völkern diese unterjochte und seinem Willen untertan machte." (S. 323) "Was wir heute an menschlicher Kultur, an Ergebnissen von Kunst, Wissenschaft und Technik vor uns sehen, ist nahezu ausschließlich schöpferisches Produkt des Ariers [...] Er ist der Prometheus der Menschheit" . (S. 317)
Dem Rassisten ist eben alles Rasse. Die Phönizier erfanden die Buchstabenschrift, die Chinesen das Porzellan, die Araber trieben Medizin und Mathematik voran - macht alles nichts, "Kulturträger" war und ist für Hitler "der Arier". Von Geschichte, überhaupt vom Lauf der Welt hat Hitler keine Ahnung - willentlich. Von den Völkermorden Cortez' und Pizarros an Azteken und Inkas hat Hitler sicher schon gehört - da hat sich übrigens nicht allzu viel "vermischt" -, dass danach über zehn Millionen Afrikaner in Amerika als Sklaven importiert wurden, geht für ihn auch in Ordnung, aber dass nun deren Jazz Teile der deutschen Jugend animiert, ärgert ihn natürlich. Die Rede von "niedrigeren Völkern", "niederen Menschen" setzt eine Hierarchie umstandslos voraus, die doch gewaltsam hergestellt wird und die Hitler als Fanatiker staatlicher Gewalt absolut in Ordnung findet. Dass da militärische Vorteile, kapitalistisches Wirtschaften, der effektive Gewalteinsatz moderner bürgerlicher Staaten zum Erfolg führten - gut so, war und ist für Hitler aber darüber hinaus Bestätigung von Rasse und Blutreinheit. Als wären die Menschen Tiere - und ungefähr so haben sich ja auch die Nazis aufgeführt und andersherum die als "Untermenschen" bezeichneten Menschen behandelt.
- "Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude. Bei kaum einem Volk der Erde ist der Selbsterhaltungstrieb stärker entwickelt als beim so genannten auserwählten. Als bester Beweis hierfür darf die einfach Tatsache des Bestehens dieser Rasse allein schon gelten. [...] Welches Volk endlich hat größere Umwälzungen mitgemacht als dieses - und ist dennoch immer als dasselbe aus den gewaltigsten Katastrophen der Menschheit hervorgegangen? Welch ein unendlich zäher Wille zum Leben, zur Erhaltung der Art spricht aus diesen Tatsachen!" (S. 329)
Das klingt doch fast neidisch, wie ein Kompliment - wenn man nicht wüsste, wer da schreibt.
Denn für Hitler fehlt bei den Juden "vollständig die allerwesentlichste Voraussetzung für ein Kulturvolk, die idealistische Gesinnung. Der Aufopferungswille im jüdischen Volke geht über den nackten Selbsterhaltungstrieb des Einzelnen nicht hinaus. Das scheinbar große Zusammengehörigkeitsgefühl ist in einem sehr primitiven Herdeninstinkt begründet [...] Wölfe [...] Ratten [...] Daher ist auch der jüdische Staat [Hinweis: beachte die Entstehungszeit des Buches! MK] - der der lebendige Organismus zur Erhaltung und Vermehrung einer Rasse sein soll - territorial vollständig unbegrenzt. Denn eine bestimmte räumliche Fassung eines Staatsgebildes setzt immer eine idealistische Gesinnung der Staatsrasse voraus". (S. 330 f.)
... und dergleichen Widerlichkeiten und Verrücktheiten mehr. Da werden die Juden von den Römern besiegt, deportiert, in alle Winde zerstreut, halten an ihrer Kultur fest, werden deshalb ausgegrenzt, toleriert, dann wieder in Ghettos gesperrt, ermordet, die Überlebenden schließen sich wieder zusammen, pflegen wieder ihre Kultur und schlagen sich eben so durch, wie die Bürger und der Kaiser es ihnen gestatten - und dann kommt dieser oberste Rassist und präsentiert als härtesten Vorwurf, dass sie keinen eigenen Staat haben, also politisch erfolglos sind. Daran meint Hitler zu erkennen, dass ihnen eben der wahre politische Opferwille fehle - den er übrigens dann den Deutschen in ziemlich maximaler Dosis abverlangt hat. Dass Staat, Rasse und Opfer untrennbar zusammengehören, ist für Hitler selbstverständlich und wird zusammengefasst in seiner permanenten Rede vom "völkischen Staat". Man sieht im Zitat wieder wie schon vorher, dass Hitler die Ergebnisse von Politik und Wirtschaft in Ordnung findet und dann umkehrt - und eben diese Ergebnisse als Gründe für Sieg und Niederlage behauptet. Und damit hat man den Begriff des Rassismus': Ergebnisse von Politik und Wirtschaft werden akzeptiert und dann verkehrt in biologische Gründe für Unterschiede.
Zeitzeugen zur Erziehung im Nationalsozialismus
- Im Folgenden eine Linksammlung aus dem "lemo", der Website des deutschen historischen Museums (dhm) mit authentischem Bildmaterial.
- die Hitlerjugend
- Berichte von Jugendlichen im NS: lesenswert die Texte von Wolfgang Findeisen und Helmut Becker-Floris (da vor allem Teil 2 und 3), ebenfalls von Wolfgang Pickert, Werner Mork und Ursula Sabel. - Wer diese fünf Memoiren gelesen hat, hat Klarheit über das Meiste zum Thema - wobei man natürlich die Naivität oder das Entschuldigungsinteresse der Erzählenden nicht ausblenden darf.
- Alltag im 'Dritten Reich': Kino, Luftangriffe...
- Kinderlandverschickung; darin lesenswert die Erinnerung von Anja Boguslawski
- über Baldur von Schirach, den "Reichsjugendführer"; nach B.v.S. gilt: "Jugend erzieht Jugend" - natürlich nur im nationalsozialistischen Sinne.
- Arthur Axman, der Mann, der von Schirach ablöste und nach dem Krieg ein Kaffee-Geschäft in Gelsenkirchen-Horst aufmachte; Axmann betrieb die Militarisierung der HJ und den Kriegsinsatz von Jugendlichen in den letzten Kriegsjahren.
- oppositionelle Jugendliche in NS; sämtliche Links lesenwert!
Politik - Zitate und Hinweise
- Die Autobahnen...: Bankier Kurt von Schröder über das Treffen Adolf Hitlers mit Reichskanzler Franz von Papen kurz vor dem entscheidenden Wahlsieg der NSDAP: "Am 4. Januar trafen Hitler, von Papen, Heß, Himmler und Jeppler in meinem Hause in Köln ein. ...Diese Zusammenkunft ... wurde von mir arrangiert, nachdem Papen mich ungefähr am 10. Dezember 1932 darum ersucht hatte. Bevor ich diesen Schritt unternehm, besprach ich mich mit einer Anzahl von Herren der Wirtschaft und informierte mich allgemein, wie sich die Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit der beiden stellte. Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange Zeit an der Macht bleiben würde. ... Ein gemeinsames Interese bestand in der Angst vor dem Bolschewismus ... Ein weiteres gemeinsames Interesse war der Wunsch, Hitlers wirtschaftliches Programm in die Tat umzusetzen ... In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler projektierte Erhöhung der deutschen Wehrmacht von 100.000 auf 300.000 Mann, das Bauen von Reichsautobahnen ... Förderung solcher Industrien wie Automobil- und Flugzeugbau und der damit verbundenen Industrien [MK: Synthetisierung von Benzin und Gummi]. Es war allgemein bekannt, dass einer der wichtigsten Programmpunkte Hitlers die Abschaffung des Vertrages von Versailles darstellte und die Wiederherstellung eines sowohl in militärischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht starken Deutschlands ... Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein bekannt und wurde von ihr begrüßt."
- Die Arbeitslosen...: Aus dem deutschen historischen Museum: Seit 1935 war im NS-Regime der halbjährige Arbeitsdienst für männliche Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren obligatorisch ... Moore trockenlegen, neues Ackerland kultivieren oder beim Bau der Reichsautobahnen und des Westwalls mitwirken. Der Reichsarbeitsdienst (RAD) war dem Reichsinnenministerium angegliedert ... Die kaum über dem Arbeitslosengeld liegende Bezahlung des Diensts machte deutlich, dass es sich bei diesen Einsätzen im wesentlichen um einen - wie es offiziell hieß - "Ehrendienst am deutschen Volke" handelte. Der Arbeitsdienst und das Leben im Arbeitslager mit militärischer Ausbildung waren "nationalsozialistische Erziehungsarbeit", die im Sinne der Volksgemeinschaft Standesunterschiede beseitigen und die Gesinnung fördern sollten. Die RAD-Gesamtstärke betrug 1935 rund 200.000, bis Oktober 1939 wurde sie auf 350.000 Personen erhöht ... Wenige Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde die Arbeitsdienstpflicht auch für weibliche Jugendliche eingeführt. Und aus dem Bundesarchiv: Ziel des Reichsarbeitsdienstes (RAD) war gemäß Gesetz: "die deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit erziehen". Ebenso wichtig wie dieser ideologische Anspruch war jedoch die Senkung der Arbeitslosenzahlen und die Aufrüstung. Die deutsche Jugend sollte "kriegsfähig" gemacht werden.
- Die Arbeit...: Aus dem deutschen historischen Museum: Seit 1937 wurde im Rahmen des von der Deutschen Arbeitsfront (DAF; die Nazi-Alternative zu den dann verbotenen Gewerkschaften; MK) ins Leben gerufenen Leistungskampfs der deutschen Betriebe die Auszeichnung "nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen ... Die Ehrungen durch Adolf Hitler fanden jährlich am 1. Mai, dem "Tag der nationalen Arbeit", statt. Ein Jahr lang führten die prämierten Betriebe daraufhin die goldene Fahne der DAF. Die Beschäftigten nahmen die damit verbundenen sozialen Verbesserungen zwar gern an, die Teilnahme an den Leistungskämpfen bedeutete aber oft nur verstärkte Arbeitshetze und nunmehr erhöhten Druck von der Unternehmensleitung und der DAF.
Politik - Schlussfolgerungen
Hitler war Politiker, Kanzler. Er und seine Partei wollten die Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg aufheben. Deutschland sollte kein kleines, schwaches, armes Verliererland sein, sondern Weltmacht werden, am besten Nummer 1 und am besten sehr bald. Das fanden die Faschisten nicht größenwahnsinnig, sondern angemessen. Grund: Das stand den Deutschen von Natur aus zu: auf Grund ihrer Rasse ("Herrenmenschen"). - Allerdings: Dass sich ein Staat als "goods own country" definiert, dem von Natur oder eben von Gott aus die allergrößten Führungsansprüche zustehen - dies ist nicht nur der NSDAP eingefallen, diese nationale Verklärung kann man in ziemlich vielen Nationalhymnen hören. Nur dass die meisten Staaten es mit diesem Seufzer gut sein lassen. Wogegen die Nazis ein gnadenloses Aufbau- und Sortierungsprogramm realisierten, um diesen Anspruch wahrzumachen:
- Die Wirtschaft wurde sehr zügig in in eine Kommandowirtschaft umgewandelt: Es gab einen Vierjahresplan, es gab große Staatsinvestitionen in die Infrastruktur (Autobahnen, nicht die ersten übrigens, und alle schön zielstrebig in West-Ost-Richtung), in den Bau von Autos, in die Entwicklung von Flugzeugen, Waffen, in industrielle Bemühung um Autarkie (synthetisches Benzin, synthetisches Gummi); es gab die gesetzliche Pflicht zur Arbeit (RAD).
- Die deutsche Bevölkerung machte das begeistert mit, weil ein Arbeiterlohn besser war als Arbeitslosigkeit (zu viel mehr als Arbeit und Brot reichte es bei den meisten nicht, von "Arbeit und Lammfilet in Rotweinsoße mit Broccoli in Crème fraîche" war nie die Rede, Lohnkämpfe waren so ziemlich das allererste, was die Nazis verboten), weil der aggressive Nationalismus der Deutschen sie da eine Perspektive sehen ließ und weil sie sich die Lüge einleuchten ließen, an ihrer schlechten Lage seien Menschen schuld, die die NSDAP zu "volksfremden" oder "undeutschen" Menschen oder gleich zu gar keinen Menschen ("Untermenschen") erklärte.
- Die NSDAP machte die Deutschen zum Mittel, zum Material ihrer Politik. Das hat dann im Mai 1945 jeder begriffen, man hätte es aber schon 1933 oder überhaupt immer und prinzipiell begreifen können.
- Deutschland sollte es "besser gehen", dazu wurden die Deutschen instrumentalisiert und alle die brutal aussortiert, die von der Politik als nicht dazu gehörig, als unnütz oder feindlich definiert wurden, mochten sie sich selbst auch als gute Deutsche ansehen: Juden (eigene Kultur), Zeugen Jehovas (Kriegsdienstverweigerer), Homosexuelle (kein Nachwuchs), Zigeuner (eigene Kultur), Behinderte (behindert), Kommunisten (Staatsfeinde); dazu kam jedermann, der seine Distanz zum Staatsprogramm der Nazis auch nur andeutungsweise äußerte (falscher Gruß...). Die besondere Brutalität der Nazis bestand eben in ihrem KZ-Programm, in der tödlichen Aussortierung aller, die für unzugehörig erachtet wurden. - Das fanden die meisten Deutschen gut.
- Wie haben die Nazis den Aufschwung hinbekommen? Die Weltwirtschaftskrise von 1932 schwächte sich 1933 sowieso ab, führende deutsche Industrielle sagten Hitler ihre Unterstützung zu - aus Angst vor der Sowjetunion; im Übrigen finanzierte die NSDAP ihre Staatsaufträge wie jede Regierung: mit Verschuldung (zu bezahlen 1948 mit der Währungsreform). Sehr praktisch war für Hitler auch, dass die Löhne in der Weltwirtschaftskrise stark gesunken waren - und Hitler war nun wirklich kein Mann, der sich für höhere Löhne einsetzte. "Arbeit und Brot", viel mehr war es tatsächlich nicht, vielleicht manchmal noch eine Wurst... Hitler erklärte die Gewerkschaften, gar die Kommunisten, zu Feinden seines nationalen Aufbauprogramms. (Details von der Bundeszentrale für politische Bildung).
Links zum Thema "Erziehung im Nationalsozialismus"
- Baldur von Schirach, der Reichsjugendführer und erster Führer der Hitlerjugend: "Jugend erzieht Jugend", und damit das niemand falsch versteht: "§1. Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes ist in der Hitlerjugend zusammengefaßt." (Gesetz über die Hitlerjugend von 1936)
- Artur Axmann, Nachfolger von Schirachs, militarisierte = verheizte die Hitlerjugend in den letzten Kriegsjahren und machte nach dem Krieg ein Kaffeegeschäft in Gelsenkirchen-Horst auf. Recht anschaulich auch, wie die Umerziehung solcher Menschen nach 1945 verlief: In einem Spiegel-Artikel von 1949.
- Ernst Krieck, NS-Pädagoge: Erziehung im Nationalsozialismus soll funktionale Erziehung sein, denn "alle erziehen alle" - und zwar zum "Typus" = zu einem Individuum innerhalb des "völkischen Staates" = innerhalb des "NS-Gemeinschaft".
- Alfred Baeumler: "Rasse" als Grundbegriff der Erziehungswissenschaft
- Erziehung im NS, darin speziell "Schule und Unterricht im NS" und ein bedenkenswerter Hinweis auf Berührungen des NS-Pädagogik mit der Reformpädagogik (siehe auch als meine Seite einen Artikel aus der FR).
- Eine sehr kritische Auseinandersetzung mit dem bei Pädagogiklehrern absolut gängigen Buch von Hermann Giesecke über NS-Erziehung; gründlich, genau, nachvollziebar; der Vorwurf des Autors, Benjamin Ortmeyer: Giesecke bagatellisiert das Denken von Baeumler, Krieck und Schirach als deren politische Fehldeutung.
Ein Test
Im Folgenden ein Text, der bis vor Kurzen als Hitler-Zitat auch in Abiturprüfungen durchging, der aber eben eine Fälschung ist. Und wer jetzt begriffen hat, wie dieser Mann "tickte", der erkennt auch an mehreren Formulierungen, dass Hitler so nie geredet hätte:
"Wir Alten sind verbraucht. Ja, wir sind schon alt. Wir sind bis ins Mark verdorben. Wir haben keine ungebrochenen Instinkte mehr. Wir sind feige, wir sind sentimental. Wir tragen die Last einer erniedrigenden Geschichte und das dumpfe Erinnern an Hörigkeit und Kriechertum im Blut. Aber meine herrliche Jugend! Gibt es eine schönere in der ganzen Welt? Sehen Sie sich diese jungen Männer und Knaben an! Welch Material. Daraus kann ich eine neue Welt formen.
Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend. Ich werde sie in allen Leibesübungen ausbilden lassen. Ich will eine athletische Jugend. Das ist das erste und wichtigste. So merze ich die Tausende von Jahren der menschlichen Domestikation aus. So habe ich das reine, edle Material der Natur vor mir. So kann ich das Neue schaffen.
Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend. Am liebsten ließe ich sie nur das lernen, was sie ihrem Spieltrieb folgend sich freiwillig aneignen. Aber Beherrschung müssen sie lernen. Sie sollen mir in den schwierigsten Proben die Todesfurcht besiegen lernen. Das ist die Stufe der heroischen Jugend. Aus ihr wächst die Stufe des Freien, des Menschen, der Maß und Mitte der Welt ist, des schaffenden Menschen, des Gottmenschen. In meinen Ordensburgen wird der schöne, sich selbst gebietende Gottmensch als kultisches Bild stehen und die Jugend auf die kommende Stufe der männlichen Reife vorbereitet."
Aus: H. Rauschning, Gespräche mit Hitler, Zürich (Europaverlag) 1940, S. 236-237. - Der vorliegende Text ist eine Fälschung. Rauschning wollte sich damit wohl wichtig machen. Man sieht es dem Text auch an, dass das nicht Hitlers Gedanken sind. Das sind eher die Phantasien eines Pädophilen als eben die des Führers der NSDAP. Erstaunlich, dass diese Abweichung mehrere Jahrzehnte lang niemandem auffallen wollte...
© Michael Kraus, November 2011