Material für den Pädagogikunterricht
Erikson - kurz & knapp
Erikson hat auf Freud aufgebaut, siehe Wikipedia. Also noch einmal kurz zu Freud: Der sieht kindliche Entwicklung als psychosexuelle Entwicklung (die 3 Instanzen und die 3 Phasen; siehe dazu auch den Artikel auf Wikipedia).
Erikson sieht kindliche Entwicklung als psychosoziale Entwicklung, und zwar so:
Das Kind entwickelt seine Identität weiter, indem es auf jeder Entwicklungsstufe eine Krise durchläuft und bewältigt (das Muster kennst du von Freuds Ödipuskonflikt; dazu auf meiner Homepage auch ein langer Artikel). Auf diese Weise entwickelt sich die Identität weiter. Diese Erikson'schen Entwicklungsstufen sehen etwa so aus:
- 0 - 1 1/2 Jahre: lächeln / fremdeln; Ergebnis der gemeisterten Krise: Urvertrauen (Freud: orale Phase)
- 1 1/2 - 3 Jahre: selbständige Bewegung, Ausprobieren, "ich!" sagen; Ergebnis der gemeisterten Krise: Selbstwahrnemung als Handelnder (Freud: anale Phase)
- 3 - 6 Jahre: ein Gewissen entwicklen, Initiative/Kreativität und Schuldgefühle entwickeln; Ergebnis der gemeisterten Krise: Ideale entwickeln, Moral entwicklen (hier ist die Parallele zu Freuds Ödipuskonflikt sehr deutlich); wer es anspruchsvoll mag: An dieser Stelle wäre auch ein Exkurs oder Übergang zu Piagets präoperationalen Stufe möglich ...
- 6 Jahre bis Pubertät: (Grund-)Schulzeit, Peergroups; Kompetenz oder soziale und intellektuelle Minderwertigkeit entwickeln (an dieser Stelle werde ich in den nächsten Tagen die neue Debatte um verwahrloste Unterschichtkinder anhängen); Ergebnis der gemeisterten Krise: Selbstvertrauen und "technologische" Kompetenz; die höheren Kulturtechniken (rechnen, schreiben lesen, 1 Fremdsprache) werden erlernt (oder angefangen), die elterlichen Autoritäten werden um außerfamiliale ergänzt, z.T. ersetzt; Freud fiel dazu nichts ein, daher nannte er diese Zeit Latenzzeit; hier wäre dann auch wieder ein Exkurs oder Übergang zu Piagets Stufe der konkreten Operationen möglich ...
- Jugend: Identität bilden oder in "Rollendiffusion" abrutschen; Ergebnis der gemeisterten Krise: Selbstbewusstsein, einen eigenen "Stil" entwickelt haben - im gescheiterten Fall z.B. Jugendkriminalität u.ä.
Wichtig bei Erikson ist noch: Man hat nicht 1 feste Identität, sondern entwickelt seine Identität immer weiter, verändert sie.