Material für den Pädagogikunterricht
'Jugend' in Encarta 1998
Jugend, Lebensabschnitt, der sich an die Kindheit anschließt und etwa das Alter von 14 bis 24 Jahren und damit auch die Pubertät umfasst. Das im deutschen gebräuchliche Wort "Adoleszenz" bezeichnet eher einen Lebensabschnitt ab vollendeter Pubertät bis Mitte der zwanziger Jahre.
Die Jugend ist ein Zeitabschnitt mit tief greifenden Änderungen im Leben eines Menschen. Die körperliche Entwicklung ist durch starkes Körperwachstum (der zweite Gestaltwechsel) und sexuelle Reifung gekennzeichnet. Zu Beginn der Pubertät setzt ein Fettschub ein, dem sich etwa ein Jahr nach Ausschüttung der Keimdrüsenhormone (bei Mädchen Östrogene; bei Jungen Testosteron) ein starkes Größenwachstum, die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale (bei Mädchen Schambehaarung, Brustwachstum; bei Jungen Schambehaarung, Bartwuchs) und die Fortpflanzungsfähigkeit folgen. Die Pubertät wird wohl durch die Reifung der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse, bewirkt. Das genaue Zusammenspiel der Hormone in der Pubertät ist jedoch noch nicht vollständig aufgeklärt. Durch das Muskelwachstum verbessern sich Körperkraft, Schnelligkeit und Koordination. In der sozialen Entwicklung steht die Entfaltung der Sexualität im Vordergrund, die stark von sozialen Normen abhängig ist. Durch die in den westlichen Industriestaaten vorherrschende Norm der sexuellen Enthaltsamkeit kommt es dabei bei etwa 90 Prozent der männlichen und 60 Prozent der weiblichen Jugendlichen zu Onanie (Selbstbefriedigung) und Petting (sexuelles Verhalten ohne Geschlechtsverkehr). Das sexuelle Verhalten variiert stark in Abhängigkeit von der sozialen Schicht.
In der Persönlichkeitsentwicklung ist die Jugend vielfach konfliktträchtig und krisenhaft. Oft kommt es zur Entwicklung jugendlicher Subkulturen, welche die Jugendlichen zur Erwachsenenwelt auf der einen Seite und der Kindheit auf der anderen Seite abgrenzen sollen. Auch können in der Jugend erstmals bestimmte, tief greifende psychische Erkrankungen entstehen, wie beispielsweise Schizophrenien und andere Psychosen. Die kognitive Entwicklung ist nach dem Schweizer Entwicklungspsychologen Jean Piaget (1896 - 1980) gekennzeichnet durch den Erwerb formal-logischer Denkweisen, bei denen formale und abstrakte Bedeutungsinhalte konkrete Denkoperationen ergänzen. Auch entsteht ein geschlossenes Bild einer Weltanschauung und die Berücksichtigung größerer Zusammenhänge, die über den persönlichen Erfahrungshorizont hinausgehen.
In der Jugend entstandene Intelligenz- und Leistungsunterschiede sind weitgehend unveränderlich und beruhen sowohl auf erblichen als auch auf sozialen Einflüssen. Die Jugend umfasst in unserer Kultur aufgrund der steigenden Komplexität der Erwachsenenwelt mehrere Jahre. Bei so genannten Naturvölkern kann der Übergang von der Kindheit in die Erwachsenenrolle auch wenige Tage oder Wochen dauern und ist meist von Initiationsriten (Einführungsriten) begleitet.
Verfasst von: Joachim Hasebrook