Material für den Deutschunterricht
Ein Prüfprogramm zum s-Laut
Das "Programm" läuft natürlich nur im Kopf ab. Es wird gelesen, also benutzt wie ein Text: von links nach rechts und von oben nach unten. (Für Neugierige: Es ist ein Nassi-Shneiderman-Diagramm.)
Beispiele
für Steht der s-Laut am Wortende? - ja: Gras, nass, groß, weiß, Haus, Kuss, iss*, muss*
für: Steht der s-Laut am Wortende? - nein: Gemüse, büßen, verhasst*, Hase, Kiste, gestern, zerreißt*, verreist*, essen, verrosten
für Das Wort zur Prüfung des s-Lautes verlängern: Gräser, nasser, größer, weißer, Häuser, Küsse, essen, müssen
für Wird der s-Laut gesummt? - ja; dann s: Reise, Hase, böse, Gemüse, heiser
für Wird der s-Laut gesummt? - nein: büßen, hassen, Kiste, gestern, essen, müssen
für Steht hinter dem s-Laut ein Konsonant? - ja; dann s": Kiste, gestern, Rost, begeistert
für Steht hinter dem s-Laut ein Konsonant? - nein": außen, Flüsse, Füße, büßen, hassen, essen, müssen
für Ist der Vokal davor kurz? - ja; dann ss: Flüsse, essen, hassen, müssen
für Ist der Vokal davor kurz? - nein; dann ß: Füße, außen, rußen, reißen
Zusätze
Bei der Schreibung des s-Lautes gibt es vier Zusätze:
- Bei Verben richtet sich die Schreibung des s-Lautes nach dem Infinitiv: verreisen → verreist; vergessen → du vergisst, wir vergaßen (!); grüßen → du hast gegrüßt.
Die Unterscheidung von kurzen und langen Vokalen bleibt dabei wichtig (der Hund fraß ..., hat mich gebissen). - Einige kurze Wörter haben entgegen dem Regelwerk einfaches s: das, des, was, aus, es und Bus (von lateinisch: omnibus = „für alle“).
- Nomen, die mit -nis enden, haben im Singular entgegen dem Regelwerk einfaches s: Geheimnis usw.; das gilt auch für Iltis, Kürbis.
- Bei Nachsilben und Zusammensetzungen prüft man das Originalwort (Häschen, Sträßchen, Gässchen).
Übungsdiktat I (154 Wörter)
Gestern war Sonntag
Es war heiß und wir haben uns auf dem Rasen gesonnt. Mein Freund ist mit dem Bus gekommen und hat in einer Kiste Süßigkeiten mitgebracht. Wir sind dann gemeinsam zum Fluss gegangen und haben die Füße ins Wasser gehalten. Einmal haben wir einen Hasen gesehen.
Zu Hause gab es am Abend eine Gans mit Soße und Klößen zu essen. Nachher fraß unser Hund Hasso die Knochen. Ich musste dann noch mit ihm auf die Straße gehen und meine Eltern ließen mich noch etwas spielen. Später im Bett las ich in meinem Lieblingsbuch. Es geht darin um Eskimos. Im Sommer basteln sie sich Hütten aus Ästen, im eiskalten Winter müssen sie in Iglus wohnen. Dann bläst der Sturm um ihre Hütten und die Eisbären schleichen in der Nähe herum. Wie sie das überleben, ist ihr großes Geheimnis.
Um zehn Uhr kam aber meine Mutter herein und sagte: „Jetzt ist Schluss mit Lesen!“
Übungsdiktat II (217 Wörter)
Liebe(r) ...,
du weißt ja, dass wir in den Sommerferien verreist sind, denn das nasse Wetter hier ist uns sehr verhasst. Wir haben es uns etwas kosten lassen und sind in die Türkei geflogen. Im Flugzeug gab es Eis auf weißen Tabletts und die Tassen waren aus Kunststoff. Mein Bruder hat etwas gedöst, aber ich musste immer nach draußen schauen und saß ganz wissbegierig am Fenster.
Vor dem Flughafen in Antalya [diktieren!] ist eine Wiese, dann kommt die Straße, auf der wir in die Stadt sausten. Es war äußerst heiß, und unsere Kleidung war bald schweißnass. Manche Autos verpesten die Luft, Melonenverkäufer schreien sich heiser, Wachposten stehen vor der Bank und passen auf, die Taxis rasen und um die Moschee blühen Rosen. Auf dem Platz, wo die Busse halten, hat man Tee in Gläser gegossen und uns angeboten.
Man muss wirklich die deutschen Städte vergessen und sich ganz auf das andere Leben hier einlassen, dann macht es Spaß.
Am Abend aßen wir köstliches Fleisch vom Spieß, dessen Kruste wunderbar kross gebraten war. Außerdem gab es ein sehr süßes, türkis glasiertes Gebäck, dessen Namen ich aber nicht mehr weiß. Von den späteren Erlebnissen schreibe ich dir, wenn mich die Mücken nicht mehr so piesacken.
Herzliche Grüße
Dein(e) Freund(in) ...
PS: Mein Ferienkrimi heißt übrigens: „Der Iltis im Bus der Geheimnisse“.
© Michael Kraus, Februar 1997