Startseite | Kontakt | Impressum

Material für alle Fächer

Paraphrase,
die Wiedergabe eines fremden Textes

Die hier beschriebene Technik gilt für alle Fächer, nämlich für den Fall, dass ich einen fremden Text in einer Mischung aus eigenen Worten, Zitaten, indirekter Rede usw. wiedergebe.

Paraphrase = griechisch para: daneben, um etwas herum; phrase: Satz, etwas Gesagtes, ein Text. Die Paraphrase ist also einfach eine "Umschreibung".

Die Techniken der Paraphrase:
  1. Indirekte Rede
    Beispiel: Der Autor erklärt hier (...), dass Jugendlichkeit zu einem Wert über die Gruppe der Jugendlichen hinaus geworden sei. - Oder etwas eleganter: Der Autor erklärt hier (...), Jugendlichkeit sei zu einem Wert über die Gruppe der Jugendlichen hinaus geworden.
    Hier wird der Konjunktiv I benutzt, um Distanz zwischen mich und die Wiedergabe des Textes zu bringen: Ob das stimmt, was der Autor sagt, will ich hier nicht beurteilen, ich gebe es nur wieder. Der Konjunktiv I wird abgeleitet vom Infinitiv (hier sein → sei). Andere Formen in diesen Zusammenhang könnten lauten: Der Autor sagt, die Jugend habe (Infinitiv: haben) ...; Freud erklärt hier, das Über-Ich werde gebildet durch (Infinitiv: werden) ...; Kafka beschreibt, wie ein Angestellter nicht mehr normal weiterleben könne (Infinitiv: können). Falsch wäre in allen diesen Fällen "wäre", "hätte", "könnte".
    Manche Formen des Konjunktiv I sind nicht zu erkennen, weil sie mit dem Indikativ Präsens identisch sind: In diesen Gedichten (...) behaupten die Expressionisten, dass die Menschen in den modernen Städte keine Luft zum Atmen haben. Man weicht in diesen Fällen - es ist oft eine Pluralform - auf den Konjunktiv II aus: In diesen Gedichten (...) behaupten die Expressionisten, dass die Menschen in den modernen Städte keine Luft zum Atmen hätten. Dieser Konjunktiv II wird abgeleitet vom Indikativ Präteritum und bekommt dann einen Umlaut: hatten → hätten.
    Wenn auch der Konjunktiv II nicht zu erkennen ist, weil er mit dem Indikativ Präteritum identisch ist, dann weicht man aus auf die Umschreibung mit "würde": In diesen Gedichten (...) behaupten die Expressionisten, dass die modernen Städte die Menschen erdrückten - oder eben erdrücken würden.
     
  2. Eine Paraphrase fortlaufend im Konjunktiv wirkt befremdlich. Dies lässt sich auflockern, indem man zwischendurch den Text im Indikativ wiedergibt, aber dazufügt: Laut Kafkas Briefen ist ein Schriftsteller immer ... oder: Die Arten haben sich nach Darwin durch Anpassung ....
     
  3. Unbezweifelbare Tatsachen, vor allem, wenn sie allgemein bekannt sind, stehen im Indikativ: Pythagoras wies nach, dass die Winkelsumme im Dreieck 180 Grad ist (nicht sei).
     
  4. Zitate: Goethe lässt Mephisto hier versprechen, dass Faust "mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe" (Z.2603f) sehen werde. Wichtig ist hier: Zitate müssen wortwörtlich übernommen werden; sie stehen in Anführungsstrichen; sie stehen üblichweise NICHT in Klammern; sie erhalten vorab NICHT das Wort "Zitat" (das man beim lauten Vorlesen hilfsweise einfügt); sie erhalten die Fundstelle in Klammern dahinter (also nicht: "In Zeile 2603 sagt Mephisto ..."); bei Zeilenumbruch in Gedichten oder Bühnenstücken kann man diesen Wechsel durch einen Schrägstrich verdeutlichen; beachte hier die Großschrift von "Bald" nach dem Zeilenumbruch.
     
  5. Zusammenfassung in eigenen Worten: Ferchhoff beschreibt hier einen Paradigmenwechsel in der Bewertung von Jugend: Von noch nicht Erwachsen zur vielbeworbenen sozialen Gruppe. - Dies ist die anspruchsvollste Form der Paraphrase.

© Michael Kraus, März 2007